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Musik erzählt Geschichten

16.10.2017

Ausdrucksvolle Herbstkonzerte der Bigband des Antoniuskollegs

 

Das Moment der Spannung liegt in einer

Geschichte nicht in deren Auflösung,

sondern auf dem Weg dorthin.




Momente der Spannung gab es reichlich am letzten Wochenende in der Sporthalle in Neunkirchen, wo die Bläserinnen und Bläser des Antoniuskollegs mit ihrer Musik ganz besondere Geschichten erzählten. Eine atmosphärische Mischung aus Lichteffekten, Bildern und sinfonischen Klängen versetzte die Zuhörer in eine Welt voller Fantasie und Lebendigkeit. Ergriffen von der musikalischen Energie der jungen Musiker wurde man schnell gewahr, dass das Beste der Musik – ganz im Sinne Gustav Mahlers – eben nicht in den Noten steht.

 

Die Bläserklasse 6b erzählte den Zuhörern die erste Geschichte des Nachmittags und zeigte voller Elan, dass es mit einer kurzen Anekdote wohl kaum getan sein würde: Komplex und differenziert musste es sein. Und so griff Alan Menkens „Der Glöckner von Notre Dame“ gleich einen großen Stoff aus Literatur und Film auf. Nicht minder überzeugend machten die „Highlights aus ‚Bruder Bär’“ die Ohren der zahlreichenden Anwesenden gewissermaßen zu Augen des musikalischen Erzählens, eingetaucht in die Geschichte um den jungen Indianer Kenai.

 

Im Anschluss wurde es mit einem Schlag gruselig: Es blitzte und donnerte und markerschütternde Schreie hallten durch den gut gefüllten Konzertsaal. Geisterstunde! Unter dem Dirigat von Sebastian Eichel nutzte die Vor-Bigband das faszinierende Potential eines Blasorchesters, auch eine Vielzahl akustischer Effekte zu erzeugen. In Kombination mit den passenden Bildern, die während der Stücke jeweils projiziert wurden, führte Erzähler Reiner Kolf die Zuhörer durch die fünf Stück aus „A little Suite of Horror“ von Thomas Doss – stilecht im schwarzen Umhang und mit Zylinder. Unheimlich, aber eben auch unheimlich gut!

 

Sein ganzes Können zeigte der Bigband-Nachwuchs, als er Manuel-Lin Mirandas „My Shot“ aus dem Broadway-Musical „Hamilton“ um den gleichnamigen amerikanischen Gründervater in den Saal zauberte. Elias El Kandi (Klasse 7b) riss dabei die Zuschauer mit seinen Rap-Einlagen geradezu von den Sitzen. Kein Schuss wurde umsonst abgegeben, jede Line saß.

 

„Musik erzählt Geschichten“ lautete bekanntlich das Motto des Konzerts. Nach den ersten beiden Kapiteln mit Bläserklasse und Vor-Bigband erwartete man deshalb nicht nur hinsichtlich der Personenanzahl Großes, als die insgesamt 100 Musiker der Bigband die Bühne betraten. Und man wurde nicht enttäuscht. Zu einer Bearbeitung von Johan de Meijs Sinfonie „The Lord of the Rings“ wurden Zeichnungen gezeigt, die von einer ehemaligen Schülerin des Antoniuskollegs, Ronja de Coninck, speziell für das Konzert angefertigt worden waren. Und es gelang ihr im wahrsten Sinne des Wortes, der Fantasie mit Pinsel und Bleistift einen Umriss zu geben. Die Lebendigkeit der Bilder sowie die Klanggewalt der Musik machten den „Kampf um den einen Ring“ unmittelbar erfahrbar und zogen das Publikum in ihren Bann. Die Spannung der Roman-Trilogie war mit Händen zu greifen. Das anschließende Werk „Alice im Wunderland“ (Hayato Hirose) war dann so konzipiert, dass die von Moderator Reiner Kolf vorgetragenen Textauszüge aus dem gleichnamigen Kinderbuch von der Musik gewissermaßen umarmt wurden. Beeindruckend waren dabei die Gesangseinlagen von Solistin Vanessa Schmitte. Die Symbiose von Text und Klang gelang perfekt.

 

Im zweiten Teil des Konzerts schlug die Bigband des Antoniuskollegs gekonnt weitere Seiten im Buch der – musikalischen – Geschichten auf. Fantasievolle und spannende Unterhaltung garantiert! Schnell verliebten sich die Zuschauer bei der Darbietung von Johan de Meijs „Der Wind in den Weiden“ in Maulwurf, Wasserratte, Kröte und Dachs. Untermalt von liebevollen Illustrationen erweckten die Musiker den Schauplatz der Handlung und die vier Hauptfiguren in kontrastreichen musikalischen Bildern zum Leben – basierend auf Kenneth Grahames mittlerweile weltberühmtem Kinderbuch von 1908.

 

In seiner Variabilität bot die Bigband gewissermaßen Kino für die Ohren und so war es nur folgerichtig, dass Wunsch und Realität in Michael Giacchinos „Selections from Up“ miteinander verschmolzen: Auf einer Reise von Jung und Alt (mitsamt Tausenden von Luftballons und einem fliegenden Haus) entschwebten die Zuschauer in die Welt des Films und begleiteten den 78-jährigen Carl und seinen jungen Freund Russell bei der Erfüllung eines Lebenstraumes.

 

Es bedarf schon eines vielseitigen Orchesters, um solch differenzierte Geschichten und Figurenzeichnungen zu entwerfen – der Bigband des Antoniuskollegs gelang es durchweg! In Bert Appermonts Konzertwerk „Gullivers Reisen“ wurde noch einmal das Potential der jungen Bläserinnen und Bläser deutlich, die klanglich auf ganz hohem Niveau agierten. Unterstützt wurden die Stücke „Lilliput“, „Brobdingnag“, „Laputa“ und „The Houyhnhnms“ von Werken moderner Malerei des Essener Künstlers Professor Dieter Crumbiegel. Mit musikalischen Leckerbissen aus Leonard Bernsteins „West Side Story“ stellten die AK-Musiker dann gekonnt unter Beweis, dass sie die pointierte Wucht des Beckens und die feinfühlige Anmut der Querflöte jederzeit zu kombinieren wissen.

 

Das letzte Kapitel des Konzerts löste die besondere Verbindung zwischen musikalischem Erzählen und dem Zuhörer keineswegs auf.Im Gegenteil,Moderator Reiner Kolf forderte jeden der Anwesenden auf, beim Stück „Imagasy“ (Thiemo Kraas) seine eigene Geschichte entstehen zu lassen. Der Ursprung aller Kreativität liege in Vorstellung und Illusion. Augen schließen ausdrücklich erwünscht. Und die instrumentatorische Vielseitigkeit der Musiker ließ die klangvolle Tonsprache des Komponisten gleich mehrere hundert Geschichten erzählen.

 

Am Ende war sogar noch Energie da, um dem musikalischen Buch der Geschichten einen Epilog zu entlocken. So fand das Konzert mit dem „Mambo“ aus der „West Side Story“ sowie einem emotionalen Gesangsduett von Vanessa Schmitte und Sebastian Eichel seinen Abschluss. Die Standing Ovations des durchweg begeisterten Publikums ließen nicht auf sich warten: Die Musiker um Dirigent und Gesamtleiter Christoph Barth hatten einen beeindruckenden Erzählstil gefunden! Den traditionellen Schlusspunkt setzten wie immer die gemeinsam gesungenen „Irischen Segenswünsche“.

 

Das Besondere an Musik ist, wie schon erwähnt, dass das Beste nicht in den Noten steht. Die Musik war an diesen Nachmittagen deutlich mehr als Noten, sie weckte Emotionen, entführte die Zuschauer in die Welt von Literatur und Malerei und erzählte auf diese Weise unvergessliche Geschichten.

 

Sebastian Patt

 
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